
Köln | Ein Veedel in Schockstarre!
Die Gebrüder Boran und Orhan waren gute Seelen in Kalk. Die Kiosk-Familie galt den Nachbarn seit mehr als zehn Jahren als zuverlässiger Anker in turbulenten Zeiten.
Nun die Tragödie: Gemeinsam mit ihrer Mutter verunglückte das Duo beim Urlaub in der Türkei laut der Nachrichtenagentur Dha tödlich.
Was bisher bekannt ist: Bei dem Vorfall am 15. Juli nahe der Stadt Türkeli im Landkreis Kırşehir soll der Vater die Kontrolle über das Fahrzeug verloren haben.
Orhan und Boran sowie ihre Mutter Fadime seien noch am Unfallort verstorben. Der Vater sei verletzt in eine Klinik gebracht worden.
Nachbarn erinnern an in der Türkei verunglückte Freunde
Am Kiosk in Kalk erinnern jetzt herzzerreißende Botschaften an die Familie. Mit Blumen und Zeichnungen nehmen die Freunde und Kunden Abschied.

Bea Dickas ist eine von ihnen: „Die Nachbarschaft steht zusammen. Das ist das, wofür die Brüder Boran und Orhan durch ihre liebenswerte Art immer gestanden haben. Kalk Markt weint. Die Frauen aus der Boutique sitzen dort, bieten allen Kaffee oder Wasser an.“
Sie sagt traurig weiter: „Ich hörte von mehreren Frauen jeden Alters, dass sie sich – genau wie ich – immer sicher fühlten, wenn sie nachts von der U-Bahn Kalk Kapelle durch die Steprathstraße gingen, weil die Brüder vom Kiosk da waren.

Eine junge Frau erzählte mir gestern, dass sie nachts noch kurz ins Büdchen ging und sagte sie hätte Angst, den Rest des Weges alleine zu gehen. Da hat einer der beiden sie ohne langes Gerede sie bis nach Hause begleitet.
Sie hatten immer Anteil genommen, immer gefragt, wie geht’s dir? Alles in Ordnung? Und wenn nicht, haben sie sich Zeit genommen, um zuzuhören und mit einer kleinen Ermutigung einem ein gutes Gefühl gegeben.“
Traurig heißt es auf einem Plakat am Kiosk nun: „Ohne Euch ist Kalk ein bisschen weniger Kalk.“

Dickas erklärt: „Für alle aus dem Umkreis Kalk Markt war der Kiosk der Treffpunkt, um sich zu verabreden, Büdchenbier holen, ein Schwätzchen zu halten, weiterzuziehen.
Es war auch an Silvester gerne ein Treffpunkt, um ins neue Jahr zu böllern. Dort war immer eine angenehme Stimmung. Das wird fehlen. Selbst als ich sagte, ich komme nicht mehr täglich zu euch, wundert euch nicht, ich hab aufgehört zu rauchen, sagten sie: Super! Ohne ans Geschäft zu denken, sondern sich mit mir zu freuen, dass ich es geschafft hab.
Sie hatten eine soziale Funktion, haben dafür gesorgt, dass krakeelende Säufer weiterzogen und sich nicht am Markt aufgehalten haben, um Kunden bzw. die Nachbarschaft zu belästigen.“
Was für ein Verlust für das Veedel! Mögen sie in Frieden ruhen!