
Köln | Manchmal ist es zu spät.
Er schuf, als Bua der Südstadt, bewundernswert fleißig Kleinode, die das Veedel und seine Seele unnachahmlich widerspiegelten.
Sein Atelier hatte er bis zuletzt in Köln-Zollstock.
Doch nun ist Walter Raab, der „Cézanne der Südstadt“, im Alter von 90 Jahren verstorben, wie der Ksta zuerst vermeldet hat.
Der Verfasser dieser Zeilen verflucht zutiefst seine Begrenztheit und Trägheit in diesem Zusammenhang.
Denn: Wie lange, Maestro, wollten wir schon einen Artikel machen – über deine schönen Werke über das Veedel, die von so viel Herz und Tiefe zeugten?
Kölner Künstler erzählte auf seine Weise vom Veedel
„Sie sind im Urlaub? Danach könnten wir alles mal bereden. Das wäre sehr schön. Dann ist es besser, wenn wir noch etwas warten. Schließlich habe ich hier an die 2000 Aquarelle liegen und Mappen von Skizzen im mediterranen Bereich. Wenn Ihnen das Recht ist. Noch gute Erholung“, schrieb der treuherzige Künstler unlängst.

Die Vorbilder des einstigen, im Krieg ausgebombten Fernmeldehandwerkers bei der Post waren, wie er mitteilte, selbst nicht Franzosen-Bild-Poet Cézanne, sondern die englischen Maler um Romantiker Turner und vor allem unser unsterblicher Meister Albrecht Dürer.
Er stellte die Stadt, das Veedel und seine Persönlichkeiten und Bauwerke dennoch in einem ihm eigenen Stil und eigener markanter Note dar.
Mit Farbe, Charme, Witz und Zeitkritik!

Als Hommage ans Malergenie wuchtete der stets grob nur anmutende Bärtige in Dürers berühmtes „Rasenstück“ eine ausgequetschte Dose Früh Kölsch und ekelhafte Kippen rein: „Unsere heutigen Gäste.“

1936 in der Südstadt geboren, schilderte Raab über seine Motivation: „Ich habe sehr viele Erinnerungen, die ich gerne in Aquarell umsetze. 1942 wohnte ich in Köln-Bayenthal, gegenüber meines Cousin, zehn Jahre älter und Schaufenster-Dekorateur bei Tietz.
Ich habe ihm über die Schulter geguckt im Winter, als die nicht bemalte Fläche der Schnee war. Das war die Geburtsstunde meine Aquarellmalerei – ich bekam auch sofort einen Farbkasten, er ist heute mein ständiger Begleiter.“
Das war er auch bis zuletzt. Der Kölner Süden hat mit Walter Raab ein Stück Seele verloren. Und das unmittelbar mit Volker Paffendorf.
Ruhe in Frieden.