
Köln | Die Wohnsituation in der Stadt. Immer wieder ein polarisierendes Sujet, das jeden angeht!
Und dazu kam nun eine öffentliche Mitteilung der Stadt Köln, die aufhorchen ließ: „Die meisten fertiggestellten Wohnungen seit zehn Jahren“.
Doch was bedeuten solche Zahlen eigentlich für einen Bauträger?
Im Interview nimmt Erika Werres, Geschäftsführerin der wvm Gruppe Köln, dazu Stellung. Die renommierte Architektin ist auch als Expertin und Speakerin in der Immobilienbranche eine gefragte Größe.
Im Jahr 2025 wurden in Köln mehr Wohnungen baulich fertiggestellt als in den zehn Jahren zuvor, veröffentlichte die Stadt Köln jetzt. Was bedeuten diese proklamierten Zahlen aus Bauträger- und Projektentwicklungssicht? Ist – vereinfacht gesagt – in Köln alles gut und im Bau-Boom befindlich?
ERIKA WERRES Die Zahl ist ein guter Tag für Köln, weil jede neue Wohnung den Markt entlastet. Sie ist aber kein Boom, sondern das Ergebnis von Projekten, die vor sieben, acht oder zehn Jahren angestoßen wurden und jetzt fertig werden.
Was viel wichtiger ist und Sorge bereitet: Die Zahl der Baugenehmigungen ist im selben Zeitraum um rund 21 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet, die heutigen Fertigstellungen sind die Ernte von gestern, und die Aussaat von heute fällt deutlich kleiner aus.
Wer 2025 nur auf die 4.623 Wohnungen schaut, übersieht, dass wir in zwei, drei Jahren spürbar weniger sehen werden, wenn jetzt nicht gegengesteuert wird.

Können die von OB Torsten Burmester benannten ‚Köln baut bezahlbar’ und Bauturbo-Maßnahmen aus Ihrer Sicht tatsächlich dem Trend von einer rückläufigen Zahl der Bauanträge entgegenwirken?
Sie können, wenn sie konsequent umgesetzt werden. Der Wille ist erkennbar, und das ist bereits viel wert. Was Wohnungsbau heute bremst, sind aber selten einzelne Vorschriften, sondern die Summe aus Verfahrensdauer, sich ändernden Anforderungen und Unsicherheit über Rahmenbedingungen. Wenn aus Planung ein Dauerprovisorium wird, steigen Bauträger aus, bevor der erste Bagger rollt.
Erika Werres: „Brauchen Tempo und Verlässlichkeit“
Wir brauchen verlässliche Regeln, kürzere Wege und eine Zusammenarbeit mit Verwaltung und Politik, die Kontinuität ermöglicht. Beim Lindgens-Areal in Mülheim haben wir nach rund zwölf Jahren Planungs- und Genehmigungsphase im März 2026 mit dem ersten Baufeld begonnen. 109 Wohnungen, davon 40 öffentlich gefördert. Das zeigt, was möglich ist, aber auch, wie lange es dauern kann, wenn Verfahren ihre Eigenlogik entwickeln.
Ist die Unterstützung der lokalen Politik für einen traditionell starken Bauträger wie die wvm Gruppe in der Hauptstadt Berlin größer als in Köln – oder nicht?
Die beiden Städte sind in ihrer Kultur unterschiedlich, und das spiegelt sich auch in den Verfahren. Berlin ist von anhaltender Transformation geprägt, dort entstehen unter realen Bedingungen neue Maßstäbe, und der Bedarf an Wohnraum ist so groß, dass eine andere Geschwindigkeit und Klarheit verlangt wird. Köln wächst aus seiner gewachsenen Struktur heraus, das ist eine Stärke und gleichzeitig ein Anspruch an alle Beteiligten.
Wir sind seit über drei Jahrzehnten in Köln verwurzelt und seit mehr als zehn Jahren in Berlin aktiv. In beiden Städten erleben wir Politik und Verwaltung, die ihre Aufgabe ernst nimmt. Was wir uns wünschen, ist überall dasselbe: Tempo bei der Genehmigung und Verlässlichkeit über die Dauer eines Projekts.

Wird in der Öffentlichkeit das Thema Immobilien und werden die Probleme der Branche aus Ihrer Sicht ausreichend oder zu wenig thematisiert bzw. gespiegelt?
Das Thema ist in der Öffentlichkeit präsent, oft sogar emotional, aber selten differenziert. Diskutiert werden Mietpreise und Schlagzeilen, weniger die Frage, warum eine Wohnung am Ende kostet, was sie kostet. Genehmigungsdauer, Auflagen, Baukosten, Zinsen, all das landet im Quadratmeterpreis.
Wer Wohnungsbau will, muss diese Kette verstehen. Eine Eigentumswohnung ist mehr als ein Produkt, sie ist ein Nest, ein Rückzugsort, Teil einer Nachbarschaft. Das verdient eine Debatte, die genauso ernsthaft ist wie das Thema selbst.
Was sind die nächsten (Groß-)projekte, die die wvm Gruppe trotz der aktuellen kriegerischen Zeiten für Köln und in Köln angeht?
Wir machen weiter, gerade jetzt. Aktuell haben wir in Köln und Berlin über 1.000 Wohnungen in Bau und Vertrieb, getragen von einer Eigenkapitalquote von über 30 Prozent.
Stabilität entsteht nicht durch Mut zum Risiko, sondern durch Mut zum Maß. Unser Schwerpunkt liegt klar auf dem Lindgens-Areal in Mülheim. Im März 2026 ist der erste Spatenstich für 109 Wohnungen erfolgt, davon 40 öffentlich gefördert. Für die Kita auf Baufeld 2.2 ist der Bauantrag eingereicht, und auf Baufeld 3 entsteht in einem späteren Schritt der Mühlenturm, ein neues Wahrzeichen für die Schäl Sick.
Daneben treiben wir Projekte unter anderem an der Subbelrather Straße, der Leyendecker Straße, der Ostmerheimer Straße und in Lindenthal voran. Köln ist und bleibt unser Zuhause, und wir bauen dort weiter, wo es gebraucht wird.