
Köln | Jahrelang sah er die Zustände und prangerte sie an. Auch öffentlich.
Stellte sich der Verantwortung und betrieb in der City das „sono“ auf der Hohe Straße.
Doch irgendwann konnte Jürgen Walleneit nicht mehr. Weil sich, wie der Macher im Gespräch mit Koeln0221 beschreibt, nichts änderte.
„Ich habe mittlerweile Köln verlassen, das sono. verkauft und eine mehrjährige Business-Weltreise unter dem Namen MilesMeetsMoments begonnen.
Bisher haben wir 22 Länder mit einem alten Ford Bronco durchfahren und nirgendwo war es so schlimm offen zu sehen. Nirgendwo war es der Stadt so egal. Als gebürtiger Kölner bin ich einfach nur entsetzt“, schildert er fassungslos.
Kölner Unternehmer ertrug Zustände in City nicht mehr
Die besorgniserregende Entwicklung der offensichtlichen Verwahrlosung des Stadtbilds ertrug er eine Zeitlang. Bis es nicht mehr ging.

„Vor gut einem Jahr habe ich der IHK Köln erzählt, was sich auf der Hohe Straße und der Kölner Innenstadt abspielt. Einbrüche. Offener Drogenkonsum vor dem Laden. Menschen, die kaum noch ansprechbar sind. Ich war damals Inhaber des sono., meinem italienischen Deli und Einzelhandelsgeschäft, mitten in der City.
Das sono. habe ich vor einem Jahr verkauft. Alexandra, meine Lebensgefährtin und ich geben jetzt einem anderen Beruf nach. Als professionelle Weltreise sind wir mit MilesMeetsMoments unterwegs. Das nun schon mehr als 300 Tage, 22 Länder, von Köln Richtung Sydney.

Wir bleiben oft Wochen an einem Ort und sprechen mit Unternehmern, Familien, Handwerkern. Mit Menschen, die dort wirklich leben.
Irgendwann fällt einem die eigene Stadt wieder ein. Besonders als wir Karneval kurz zurückkamen. Mit einem Blick, den wir vorher so nicht hatten.“
Denn auf der Weise schärfte sich für das Paar der Blick über die Grenzen der Domstadt hinaus.
Der Unternehmer: „In Marokko habe ich Armut gesehen, oft verborgen oder versteckt, mit einer Würde, die mich immer noch beschäftigt. In Albanien sind wir Drogenproblemen begegnet.

Wir waren in Ländern, die wirtschaftlich deutlich schwächer sind als Deutschland. Und überall trafen wir Menschen, die uns mit einer Herzlichkeit empfingen, die uns bis heute beeindruckt. Menschen, die kaum etwas besitzen und trotzdem ihr Essen, ihre Zeit und ihre Hilfe teilten.
Aber dieses Kölner Bild, offene Obdachlosigkeit, Drogenkonsum, verwahrloster öffentlicher Raum, mitten in der Innenstadt, mitten im Alltag, habe ich in keinem einzigen Land in diesem offenen Ausmaß erlebt. Auch nicht annähernd. Und das in meiner Heimatstadt.
Das bestätigt, was ich der IHK damals gesagt habe. Nur dass ich es heute aus der Distanz noch klarer sehe, als ich jeden Tag auf der Hohe Straße stand.“

Wichtig: Walleneit möchte als Realist und nicht als Berufspessimist gesehen und verstanden sein.
„Ich will Köln damit nicht schlechtmachen, sondern wachrütteln. Ich liebe meine Stadt. Ich habe dort gearbeitet, gekämpft, Unternehmen aufgebaut. Ich bin in meiner Heimatstadt groß geworden. Deshalb werde ich nicht wegsehen.
Damals habe ich gesagt: Hört uns zu und macht jetzt etwas. Heute frage ich, ob sich wirklich etwas verändert hat oder ob wir uns einfach daran gewöhnt haben. Ich bin sprachlos“, schließt er verbittert, als wir ihn in Tirana (Albanien) erreichen.