
Köln | Die Spannung war bei den 18.600 Besuchern in der Lanxess-Arena förmlich zu greifen. Man sah viele Fans ihre Fingernägel kauen, andere falteten ihre Hände zu einem Stoßgebet. Um 22.44 Uhr war der Jubel bei den Kölner Anhängern nach einer dramatischen Begegnung riesig. Dominik Bokk hatte den entscheidenden Treffer zum 4:3 (78.) nach Verlängerung für die Haie erzielt und damit die Entscheidung besorgt.
- Kölner Haie besiegen die Eisbären Berlin
- Die Halbfinalserie zwischen Kölner Haien und Eisbären Berlin steht nun 2:2
- Am Freitagabend steigt das fünfte Spiel in Berlin
„Es war ein wichtiges Tor für uns, ich bin froh, dass das Ding reingegangen ist“, sagte der Matchwinner nach seinem Hammer mit 141 Stundenkilometern erleichtert. „Wir sehen bisher zwei starke, aggressive und technisch starke Mannschaften mit überragenden Torhütern. Wir haben so viel Pozential, wir wollen es diesmal anders machen als im letzten Jahr.“
Somit steht es in der Halbfinal-Serie zwischen den Kölner Haien und den Eisbären Berlin 2:2. Am Freitag geht es in der Hauptstadt weiter, ehe Spiel sechs am kommenden Montag wird in Deutz ausgetragen wird.
Dementsprechend glücklich war Kari Jalonen: „Es war ein wichtiges Sieg, ein wichtiges Spiel für uns. Wir haben leider nur ein Tor im ersten Drittel erzielt und sind im Powerplay nicht so gut. Aber wir haben einen Weg gefunden, das Spiel zu gewinnen.“
Serge Aubin sah schlechten Start der Eisbären
„Wir hatten einen schlechten Start, aber wir haben ein tolles Spiel abgeliefert. Kleinigkeiten haben entschieden, ich bin trotzdem Stolz auf meine Mannschaft“, erklärte Berlins Trainer Serge Aubin.
Vor dem ersten Bully mussten die Haie einen Rückschlag hinnehmen. Toptorjäger Patrick Russell, der Däne erzielte bisher in den Playoffs vier Tore und zwei Vorlagen – fehlte verletzt, dafür rückte Nate Schnarr wieder in den Kader. Es war der erste Auftritt des Kanadiers im Halbfinale.
„Wenn ein Patrick Russell fehlte und ein Nate Schnarr dafür reinkommt, zeigt es unsere Tiefe des Kaders. Ich freue mich darauf, Nate auf dem Eis zu sehen. Es wird brennen“, erklärte Maximilian Kammerer optimistisch.
Maxi Kammerer fordert mehr Aktivität der Haie
Jedoch betonte der Stürmer auf: „Wir hatten im letzten Spiel in Berlin offensiv unsere Schwierigkeiten. Wir waren zu passiv und müssen wieder aktiver werden. Wir haben großen Offensiv-Potenzial, müssen wieder in den Flow kommen.“
Einen besseren Start in die Partie hätten sich die Haie dann auch nicht ausdenken können. Nach 42 Sekunden markierte Frederik Storm mit einem Schuss in die lange Ecke das 1:0.
Ein Treffer, der den Hausherren viel Auftrieb gab. Der KEC spielte druckvoll, präsent und bissig, es fehlte jedoch ein weiteres Erfolgserlebnis, obwohl die Kölner Torwart Jake Hildebrand unter Dauerbeschuss nahm.
Aber die Berliner Nummer eins entschärfte gegen Oliwer Kaski, Kammerer und Louis-Marc Aubry in höchster Not, zudem trafen die Haie durch Valtteri Kemmiläinen und Gregor MacLeod nur den Pfosten.
Kölner Haie kassieren bitteren Ausgleich
Dementsprechend bitter war der Ausgleich für die effizienten Eisbären. Ty Ronning traf im Powerplay mit seinem sechsten Playoff-Tor für den Meister und stellte damit das Kräfteverhältnis auf den Kopf. „Wir hätten auch 3:1 oder 4:1 führen können“, ärgerte sich Haie-Legende Mirko Lüdemann in der Drittelpause.
Und es kam noch schlimmer: Gerade einmal 20 Sekunden waren im Mittelabschnitt absolviert, als der Titelverteidiger erneut zuschlug. Nachdem der KEC den Puck nicht aus dem eigenen Dritten hinausbringen konnte, sorgte Kai Wissmann für das 2:1 der Eisbären.
Tanner Kero trifft für die Kölner Haie
Doch die Haie gaben direkt die richtige Antwort 131 Sekunden nach dem Rückstand. Dank eines schnellen Konters schaffte der Hauptrundensieger den Ausgleich. Brady Austin schickte Nate Schnarr auf die Reise, der gab auf MacLeod, der Tanner Kero bediente. Der Stürmer zog direkt ab und überwand Hildebrand zum 2:2 (24.).
„Es war fantastisch rausgespielt, Den Puck brauchte ich dann nur noch einschieben“, freute sich der Torschütze. „Wir haben den Zug zum Tor und haben es in der Offensive einfach gehalten. So sind wir wieder in den Rhythmus gefunden.“
Danach öffneten beide Teams ihr Visier und stürmten wild nach vorne. Daraus resultierten Hochkaräter auf beiden Seiten, aber sowohl Janne Juvonen bei den Haie als auch Berlins Hildebrand entschärften beste Möglichkeiten.

Dann brach Bokk mit seinem ersten Tor des Abends unter dem frenetischen Jubel der Fans im Haifischbecken den Bann. Der Angreifer zog ab und überraschte Hildebrand, der Puck rutschte der Berliner Nummer eins durch die Beine und sorgte für das 3:2 (33.). Bei der vergeblichen Rettungsaktion verletzte sich der US-Boy schwer und musste beim Verlassen des Eises gestützt werden.
Doch der Champion wollte sich nicht geschlagen geben und zog Tempo und Intensität noch einmal an. Der gebürtige Kölner Frederik Tiffels scheiterte an Juvonen, zudem verzog der bald Kölner Marcel Noebels knapp. So war der Ausgleich durch Liam Kirk erneut in Überzahl (52.) nicht überraschend, da der KEC durch MacLeod zuvor das mögliche 4:2 vergaben. So ging es in die Verlängerung.
„Es ist ein sehr aufregendes Spiel und Werbung für Playoff-Eishockey. Es ist unheimlich spannend und es geht hin und her“. sagte Haie-Geschäftsführer Philipp Walter. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir das Ding ziehen.“
Dank des bokkstarken Bokks hatte der Geschäftsführer das richtige Bauchgefühl.