
Köln | „Sta ima, Kralju“? („König, wie geht es dir?“)
Anruf bei Sasa „Sale“ Obradovic (57), genau zwanzig Jahre nach dem großen Triumph.
Die legendäre Meisterglatze führte am 6. Juni 2006 die Kölner Basketball-Riesen von RheinEnergie Köln als Coach zur sensationellen Deutschen Meisterschaft.
Die Spiele im „Zirkuszelt“ Energy Dome am Girlitzweg im Kölner Westen hatten etwas angenehm Familiäres. Team und Staff inklusive der rassigen Cheerleader waren einfach original.
„Ich denke gern zurück. Was für eine geile Zeit“, schießt es aus Obradovic heraus, der nach Roter Stern Belgrad gerade einen neuen Job in Israel angenommen hat, „Köln war ja meine erste Station als Trainer und hat mich geprägt.
Vieles, was ich damals von Drasko Prodanovic und Zoran Kukic lernte, bewahre ich bis heute. Allein wie wichtig die Zusammenarbeit mit dem medizinischen Bereich ist, zu Klaus Breitung habe ich bis heute ein gutes Verhältnis.“
Alte Zeiten: Sasa Obradovic über Michael Jordan und Co.
Was war das vor zwanzig Jahren für eine Legenden-Saison.
Eine verrückte Truppe mit obskuren Individualisten, die Sale zu einer Einheit formte, als es drauf ankam.
Familienmensch und Vollprofi-Capitano Sasa Nadjfeij, Regisseur und Playmaker Michael Jordan (der heißt echt auch so) Lebemann Glen McGowan, Schweige-Protz Immanuel McElroy, Spaßglatze Titus Ivory, Polen-Goliath Marcin Gortat, Quoten-Deutscher Jannik Zimmer, Serben-Sniper Mladen „Slivo“ Sljivancanin und Co. versetzten die Domstadt in einen Hype, den die schöne US-amerikanische Sportart so nie mehr hatte.
Architekt des Ganzen: Der Kölner Macher Walter Pütz.
„Schön war heute, dass die alten Kollegen sich alle zusammen telefoniert haben und Nachrichten gesendet haben unter der Überschrift: It was 20 years ago Today“, schmunzelt der charismatische Macher aus Porz über die alten Zeiten.

Wie „Sale“ ebenso.
Legendär, wie man die favorisierten Teams aus Bamberg und Berlin in den Playoffs in Last Minute-Thrillern verdient ausknockte.
Der Erfolg kam nicht zufällig. Ob das Presseteam um die empathische Marketa Tresnak, der Hallensprecher Amiaz Habtu, es passte einfach alles.
Da konnte man als Reporter beim Homestory-Termin bei Spielern schon mal in einen Gangbang platzen – oder im „Starz“ auf den Ringen von den Führungsspielern zur Halb-Besinnungslosigkeit abgefüllt werden.
„Die Spieler waren wie große Babies“, lacht Sale heute, der bis jetzt in der Branche als absoluter Disziplinfanatiker gilt. Und ebenso als Gentleman alter Schule, der nie vergisst, wo er herkommt und wer ihm Gutes tat.

Wie die großherzige Familie Radanovic vom damaligen „Restaurant Heumarkt“ in der Altstadt am Reiterdenkmal, wo Obradovic ein und aus ging.
„Gastwirt Bruno war ein Unikat, ein ganz besonderer Mensch. Ich stand an seinem Grab“, so Sale über den beliebten Altstadt-Gastronomen, der vor nicht allzu langer Zeit zum Leidwesen enger Freunde wie Karin Stoffregen und Die Oll traurigerweise verstarb, „aber zu seiner lieben Familie habe ich nach wie vor Kontakt.“
Obradovic hatte große Ziele in Köln.
Der spätere Coach der großen Teams aus Europa wollte die Domstadt am Rhein zum Zentrum des deutschen Basketballs machen, vor ALBA Berlin oder den verhassten Bayern.
Pläne für eine neue Arena in Hürth gab es ja, Pütz kämpfte wie ein Löwe mit mutigen Mitstreitern für die ambitionierte Sache – und am Ende platzte alles wegen eines unsäglichen Schneeball-Betrügers, der für seine Schandtaten offenbar nicht mal bis heute richtig büßen musste.
„Schade“, so Sale, „aber die schöne Zeit in Köln mit den Erfolgen und diesem Wir-Gefühl, das Köln wie keine zweite Stadt kreieren kann, kann uns niemand nehmen. Ich werde sie niemals vergessen!“
Hvala und Sva ka ti cast, Kralj Kraljewa Kraljweki Kralkjewa! (Danke und Hut ab, König der königlichsten Könige – Redewendung)