
Köln | Jan ohne Wert(h)!
Zumindest im Wohnzimmer am Neumarkt.
Das Lokal ist eine Ruine. Gerne große Töne hat ein vormaliger Pächter und Ex-Wohnungsloser (im Volksmund: Penner) gerne gespuckt.
„Ich kann dir diese Tage Rede und Antwort stehen. Ich will da ein bisschen Nadelstiche setzen“, hatte Sascha Floss koeln0221 nach der Schlüsselübergabe belegbar versprochen.
Die Realität sah und sieht – natürlich in so einem Fall – anders aus.
Der herzliche Pleite-Wirt ist raus aus dem „Zum Jan“. Nach angeblichen Einbrüchen und zwielichtigen Diebstählen aus dem Junkie-Milieu, einem inzwischen katastrophalen Ruf, sucht das beliebte Reiter-Korps nun offenbar verzweifelt einen neuen Pächter.
Einen bringt das alles auf die Palme: Den Pächter der ersten Stunde.

„Von 1984 – 1990 war ich Pächter vom Gasthaus „Zum Jan““, schildert Fasteleer-Urgestein Hannes Blum, „Nachdem das Reiterkorps Jan von Werth Anfang der 80er Jahre die Immobilie in der Thieboldsgasse 137 erworben hatte, in der sich bereits ihr Kasino im Keller befand, wurde Heinz Krein, Mitglied des Vorstands und Architekt, damit beauftragt das Ladenlokal in eine Gaststätte umzubauen. H.K. war zu der Zeit auch Begleiter, Manager und guter Freund der Gruppe Blom un Blömcher.
Er zeigte mir die Pläne und ich war sofort von der Idee begeistert. Ich war damals als Hauselektriker beim Fernmeldeamt 1 der deutschen Bundespost beschäftigt und im Beamtenstatus.“
Blum weiter: „Ich ließ mich von der Post beurlauben und übernahm 1984 das Gasthaus zum Jan. Auch der Name wurde von Heinz und mir kreiert, da es ja schon eine Gaststätte Jan von Werth bestand, Willi Schmitz, auch Mitglied im Reiterkorps.

In kürzester Zeit wurde der „Jan“ dank Unterstützung des Literatenstammtisch und des Stammtisch Kölner Karnevalisten, die ihre Versammlungen hier abhielten, zur Anlaufstelle auftretender Karnevalisten. Quasi von Oktober bis Aschermittwoch traf sich hier alles, was einen Namen im Kölner Karneval hatte.
In der Karnevals-Session vom 1. Januar bis Aschermittwoch wurde am Wochenende bis in die Morgenstunde gefeiert.
Da die Gruppe Blom un Blömcher immer bekannter wurde und ich mich immer weniger um die geschäftlichen Belange kümmern konnte, gab ich 1990 das Lokal an Peter Bunsen ab, der es sehr erfolgreich weiterführte.“
Nun sagt Hannes aus eigener Erfahrung geradezu verbittert: „Es ist eine Schande, dass sich kein Pächter für dieses Lokal findet.“