
Berzdorf | Stell dir vor, du tanzt auf der Bühne. Und dann geht die Musik einfach aus – das Klatschen hört auf, alle schauen sich fragend an. . .
So geschehen am Freitagabend in Wesseling im beliebten Gasthaus Op d´r Eck! Für die Tänzerinnen und Tänzer der KG Lustige Postillione (35 aktive Tänzerinnen und Tänzer mit 5 Paaren) von Wesseling 1972 e.V. eine unfreiwillige Bühnen-Blamage.
Weil vier Mitarbeiter des Ordnungsamts mitten in der Show – und während nicht ungefährlicher Hebefiguren – reinplatzten und der Veranstaltung bzw. der Musik buchstäblich den Stecker zogen. Das Regionalportal erftkreis-news.de hatte zuerst berichtet.
Tanzkorps startete spontan größten Chor von Berzdorf
Mit etwas Abstand erklärt ein enttäuschter Verantwortlicher der KG im Gespräch mit koeln0221 die absurden Vorgänge auf der stillgelegten Party: „Der Vorfall war symbolisch für das, was gerade im Ehrenamt abgeht. Wir schaffen uns und unseren Brauchtum selber ab.“

Die Chronologie aus Sicht der Betroffenen skizziert er: „In einer örtlichen Kneipe wurde zu Karneval im Außenbereich ein Zelt für etwa 100–150 Personen errichtet. Dieses Zelt war selbstverständlich angemeldet und genehmigt. Am besagten Abend feierte ein ortsansässiger Verein dort seine jährliche Veranstaltung. Die Stimmung – wie man es aus Berzdorf kennt – war großartig.
Während unseres Auftritts tauchten vier Mitarbeitende des Ordnungsamtes auf, gingen quer über die Bühne zur Technik und zogen dem DJ sowie uns sprichwörtlich den Stecker. Begründung: Die Genehmigung galt bis 22:00 Uhr – und wir hatten bereits 22:08 Uhr.“

Acht Minuten drüber, da war der Spaß aus Sicht der humorlosen Beamten vorbei! Zeugen schilderten gar ein Auftreten des uniformierten Quartetts „wie bei einem SEK-Einsatz“. Aber: Die fidelen Tänzerinnen und Tänzer machten kurzentschlossen das Beste aus ihrer Situation.
KG moniert das „Wie“ beim Verhalten des Ordnungsamts
Der Verantwortliche weiter: „Was dann folgte, war Improvisation pur. Aus einem Tanzauftritt wurde spontan der wohl größte Chor, den Berzdorf je gesehen hat. Gemeinsam mit dem gesamten Zelt sangen wir Lieder wie „Veedel“, „Heidewitzka“ und viele weitere Klassiker. Die Stimmung? Positiv am Beben. Humor ist, wenn man trotzdem lacht. Ob die Maßnahme seitens des Ordnungsamtes richtig war, können und wollen wir nicht beurteilen.“
Es spricht nur für die Postillionen, dass sie den Eklat differenziert und ohne mit dem Zeige- oder Stinkefinger zu zeigen, betrachten: „Das Wie hätte man sicherlich anders – vielleicht sensibler – lösen können. Zudem war die Situation nicht ganz ungefährlich, da sich die Tanzgruppe mitten in Hebefiguren und Würfen befand. An dieser Stelle möchten wir uns dennoch ausdrücklich für den Einsatz des Ordnungsamtes an Karneval bedanken. Ohne Sie geht es nicht.“