
Köln | Die neuen Zahlen sind nichts anderes als besorgniserregend.
Die Stadt Köln erläutert in einer aktuellen Pressemitteilung (19. Mai 2026) die Bilanz der Fachstelle gegen Antisemitismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln.
„Sie verzeichnet für das Jahr 2025 insgesamt 321 antisemitische Vorfälle im Kölner Stadtgebiet.
Das entspricht einem Anstieg von 40 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit wurde seit Beginn der systematischen Erfassung im Jahr 2020 nun im fünften Jahr in Folge ein Höchststand antisemitischer Vorfälle in Köln gemessen.
Auch qualitativ haben sich die Zahlen verändert: So wurden deutlich mehr antisemitisch motivierte Angriffe erfasst als noch im Jahr zuvor (Anstieg von vier auf zehn).
Diese Entwicklung wirft die Frage auf, ob von einer insgesamt gesunkenen Hemmschwelle antisemitischer Gewalt in Köln gesprochen werden kann. Im Bericht werden unter anderem die Übergriffe auf Spieler des jüdischen Fußballvereins Makkabi Köln sowie auf einen Journalisten am Rande einer israelfeindlichen Demonstration geschildert.
Bekanntheit der Meldestelle könnte Anstieg erklären
Ungeachtet steigender Gewalttaten handelt es sich bei der Mehrheit der 2025 dokumentierten Vorfälle weiterhin um „niedrigschwellige“ Sachverhalte wie verbale Anfeindungen, Schmierereien oder Äußerungen auf Demonstrationen. Insgesamt waren 2025 mindestens 225 Menschen in Köln direkt von antisemitischen Taten oder Äußerungen betroffen.
In 35 Prozent der 2025 dokumentierten Vorfälle handelte es sich um eine Straftat. Gleichzeitig ist nur für insgesamt 18 Prozent der Fälle bekannt, dass Strafanzeige bei der Polizei erstattet wurde. Die Diskrepanz zwischen diesen Zahlen kann als Hinweis auf das bestehende Dunkelfeld im Bereich antisemitischer Straftaten gedeutet werden.

Auch die von der Fachstelle dokumentierten antisemitischen Vorfälle (oberhalb und unterhalb der Strafbarkeitsgrenze) bilden die Realität mutmaßlich nur begrenzt ab.
Umgekehrt kann die festgestellte Zunahme der Vorfälle nicht nur auf einen wachsenden Antisemitismus, sondern in Teilen auch auf eine höhere Bekanntheit der Meldestelle und eine gestiegene Sensibilität sowie Meldebereitschaft in der Stadtgesellschaft hinweisen.
Weitere Statistiken sowie anonymisierte Beispiele antisemitischer Vorfälle sind im Jahresbericht verfügbar.
Dr. Oren Osterer, Geschäftsführer der Synagogen-Gemeinde Köln, dazu.
„Die steigende Zahl antisemitischer Vorfälle in Köln ist für unsere Gemeinde deutlich spürbar, etwa die zahlreichen im Jahresbericht dokumentierten antisemitischen Schmierereien im Rathenauviertel und damit in unmittelbarer Umgebung unserer Synagoge in der Roonstraße.
Besonders besorgt uns die Entwicklung an Schulen, aus denen vermehrt antisemitische Übergriffe und verbale Attacken berichtet werden. Diese antisemitischen Erfahrungen im kindlichen und jugendlichen Alltag sind gravierend.
Die Arbeit der Fachstelle gegen Antisemitismus leistet einen unverzichtbaren Beitrag dazu, Betroffenen von Antisemitismus in Köln eine Stimme zu geben. Gleichzeitig sollte die besorgniserregende Entwicklung uns alle zum Handeln bewegen.
Denn Antisemitismus betrifft nicht nur Jüdinnen und Juden, sondern auch Personen, die sich solidarisch zeigen. Damit ist die Bedrohung durch den Antisemitismus einer Gefährdung für das demokratische Zusammenleben insgesamt. Der Jahresbericht macht diese Entwicklung sichtbar.
Daher rufen wir die Stadtgesellschaft auf, sich gegen Antisemitismus und Rassismus zu engagieren und ein entsprechendes Zeichen abzugeben.“