
Köln | Unglaublich!
Gleich zwei Hiobsbotschaften für Freunde des einstigen Chicago am Rhein binnen weniger Stunden!
Denn nachdem koeln0221 exklusiv die traurige Kunde vom Tode von „Die Botteram“ vermeldet hatte, veröffentlichte galopponline.de die Nachricht, dass auch Anton Kurth, „Tapeten-Toni“ verstorben ist.
Nach „Die Botteram“ verliert die Szene weiteres Original
Die Nachricht machte am Sonntag in Düsseldorf die Runde. Anton Kurth, Kult- und Groß-Wetter aus Köln, und in der Galopper-Szene besser bekannt unter seinem Spitznamen „Tapeten-Toni“, ist am Samstag im Alter von 84 Jahren verstorben.
Da heißt es über den passionierten Pferdenarren: „Der in Köln lebende Kurth war vor allem in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts einer der größten deutschen Wetter und ein echtes Original. Die Geschichten, die er erzählen konnte, und die es über ihn gab, sind Legende. Besonders markant war sein Stil, selbst bei bitteren Niederlagen behielt er stets die Fassung und Contenance. Simon Springer benannte sogar ein von ihm gezogenes Pferd nach ihm. Der Mehmas-Sohn „Tapeten Toni“ gewann Rennen in England, Frankreich und der Schweiz.“
Und weiter: „Am Kölner Eigelstein konnte man ihn über Jahrzehnte morgens im Eiscafe seiner Wahl bei einem Kaffee antreffen und mit ihm über Gott und die Welt, und natürlich den Galopprennsport plaudern. Zuletzt war das leider nicht mehr möglich gewesen, denn nach einem Schlaganfall war es um die Gesundheit von Anton Kurth schon länger nicht mehr gut bestellt. Mit „Tapeten Toni“ verliert der deutsche Galopprennsport ein echtes Original.“
Natürlich dauerte es nicht lange und die Botschaft schwappte auf die andere Rheinseite.
„Wir sind konsterniert“, so Szene-Insider Roland Bebak, „erst die Botteram, nun Tapeten-Toni! Ein Einschlag jagt den nächsten. Tapeten-Toni war ein enger Freund meines ebenso verstorbenen Freundes Manni Meier, in unseren Milieu-Büchern spielt er eine tragende Rolle.“
Hier kommt eine Anekdote aus dem Buch, aufgeschrieben von Markus Krücken:
Nicht jeder von uns hatte wie ich immer Pech mit den Weibern. Einer hatte es einfach drauf mit denen. Den umschwärmten sie wie die Motten das Licht. Und zu guter Letzt ist er sogar Multi-Millionär durch eine Ahl geworden. Manche nennen ihn den schönen Toni, vor allem die Weiber. Bei uns hieß er Tapeten-Toni oder nur einfach Tapete, weil der mal einen Tapetenladen in Leverkusen hatte. Für einen Mann, muss ich sagen, war die Tapete wirklich ausgesprochen hübsch.
Er hat damals das Number One aufgemacht, den angesagtesten Club seinerzeit. Paola und Katja Ebstein sangen da zum Beispiel. Der Toni hat sich da 60.000 DM im Monat in die Tasche gesteckt. Mit so einer kleinen Bar! Das war eine Gelddruckmaschine.Sein Spannmann war der Ernst Strube, dem gehörte das legendäre Big Ben um die Ecke. Der Strube war der klügste Kopf des Milieus, zumindest geschäftlich. Er hatte schon damals in Geschäftshäuser in der Innenstadt investiert. Die Häuser erwiesen sich später als wahre Goldgruben.
2.000 DM Zeche am Abend
Er beriet den Toni. Im Number One verkehrten damals auch die Öl-Verdiesler, eine Clique von steinreichen Betrügern, die irgendwann fast alle in den Knast wandern sollten, weil sie vom Zoll erwischt wurden.
Aber vorerst schmissen die mit dem Geld um sich. Sie tranken meist Roeder Chrystal, einen Champagner, die Flasche für 300. Sie machten locker 2.000 DM Zeche am Abend. Heute bist du mit 200 Euro ja schon Matador in der Stadt. Toni hatte dementsprechend immer viel Bargeld in der Tasche und fast jeden Abend bekam er „einen Stoß..“ Will sagen – er wurde angepumpt. Einmal kam der Säbel, der hatte seine ganze Kohle beim Zock im Romantica verloren. „Ich brauche 20.000“ fragte er. „Kriegst du an Weihnachten wieder.“
Und Toni half. Worauf er von seinem Kumpel Strube einen Einlauf bekam. „Oh Gott bist du blöd. Das Geld kriegst du nie wieder.“ Der Strube wettete sogar 2.000 Mark, dass die Kohle futsch war. Und zwar für immer. Aber diesmal behielt der Schlau nicht recht. Pünktlich zu Weihnachten brachte der Säbel das Geld. Doch nur 18.000. „Die anderen zweitausend kriegst ja von deinem Kumpel“, grinste er.
Dann kam Säbel. Er brauchte einen Haufen Geld.
Aber bei einem anderen „Geschäft“ sollte der dann recht behalten. Willi Prumbaum, der König der Friesenstraße, wie ihn der EXPRESS nannte, lieh sich 10.000 Mark vom Toni. Dann nahm er ihn mit zum Kofferraum seines Autos und sagte: „Das hier kriegste als Pfand.“ Schmuck, Edelsteine, Gold. Heiße Ware. Doch Toni wehrte ab. „Lass mich damit in Ruh. Du gibst mir mein Geld auch so wieder.“ Falsch gedacht! Denn drei Tage später wurde Willi Prumbaum, König der Friesenstraße, im Nachtleben erstochen. Und das Darlehen gab es nie wieder. Toni verkaufte schließlich das „Number One“ wieder. Ihm war das zu viel Nachtleben und Miljö. Und er hatte eine neue Passion. Er wurde zum größten Pferdewetter Deutschlands und setzte bis zu 50.000 pro Rennen.

Er war lange als Groß-Wetter gefürchtet, doch zuletzt bekam er den Bart ab. Er war der bestinformierte Insider Deutschlands, aber manchmal schienen die Pferde rückwärts zu laufen. Noch heute denken viele, da ist was nicht mit rechten Dingen zugegangen.
Aber ausgerechnet auf der Rennbahn nahte neues Glück. Eine große Rennstall-Besitzerin hatte sich unsterblich in Toni verliebt. Einziges Hindernis: 30 Jahre Altersunterschied. Aber was ist das für ein Hindernis bei unzähligen Millionen. Ihr gehörte unter anderem der Lerchenberg in Mainz, der Grund und Boden, von wo aus das ZDF sendet. Selbst der Strube war beeindruckt.
„Mensch Tünn. du bist auf eine Goldmine gestoßen.“
Tapete sagte żu ihr: „Schatz, ich kann Dir nicht viel bieten. Ich habe noch soviel Schulden.“ Sie nahm sich seiner an: „Ach Liebchen, wie viel denn?“ Sie flogen mit der Concorde als Trost rund um die Welt. Kosten pro Person: 70.000 DM. Nur 99 Leute weltweit waren mit an Bord. Darunter Tapete und die Ahl, die alles zahlte. Er bekam ein weißen Jaguar mit goldener Kühlerfigur zur Fortbewegung und einen bodenlangen Nerz, damit es ihn nicht mehr so frieren sollte. In goldenen Buchstaben war eingestickt: Für meinen Toni.
Und das war noch nicht alles: „500.000 DM gebe ich dir sofort für die ärgsten Sorgen.“ Kumpel Strube schleppte ihn zum Steuerberater. Er wusste ja, wie man mit Kohle umgeht. „Tapete, du kannst dir nicht soviel Geld einfach schenken lassen“, warnte er ihn, „Das kostet doch Schenkungssteuer. Die musst du bezahlen.“
Da hatte der pfiffige Steuerberater eine Idee. „Heirate sie, dann kannst du alles von ihr nehmen“, sagte er, „Dann kann sie dir geben, was sie will.“ Das hat dem Tapete natürlich gefallen. Also ist er zu ihr hin: „Schatz, wollen wir heiraten?“ Sie fiel ihm natürlich um den Hals: „Natürlich! Sofort!“
Bei der Hochzeit im Kölner Standesamt war der Strube dann Trauzeuge. Hinterher dann die große Hochzeits-Sause standesgemäß im Excelsior-Hotel. Er war 45, sie war 70. Hinter vorgehaltener Hand schmunzelten alle. Aber Tapete am besten, er hatte das größte Grinsen im Gesicht. Denn die Ahl hatte ihm vor der Hochzeit Ja gesagt: „Schatz, wir müssen vorsorgen. Wenn ich nicht mehr sein sollte, kann es ja Ärger mit dem Erbe geben. Ich gebe dir am besten direkt bei der Hochzeit einen Scheck.“
Den brachte sie mit. Drei Millionen Mark. Den hat Toni noch heute als Souvenir der Millionen-Hochzeit eingerahmt zu Hause. Denn kurz darauf gab’s die Scheidung, die Gönnerin verstarb und Toni lebt mit seiner großen Liebe ein schönes Leben. Und jedes Mal muss er lächeln, wenn er zu Hause den Scheck von früher sieht.