
Köln | Er will nicht auf- oder klein beigeben.
Seit Monaten sucht der Ehrenfelder Kioskbetreiber Azad (65) die Öffentlichkeit, um auf seine Situation auf der Leyendecker Straße aufmerksam zu machen.
Sein „internationales Kiosk“ ist seit mehr als 15 Jahren ein beliebter Treffpunkt im Veedel, Tummelplatz für Künstler und ein Ort der unkomplizierten Geselligkeit.
Dass der Mietvertrag zum Ende Dezember gekündigt wurde und trotz angebotener Mehrleistung nicht verlängert werden soll, will Azad Hawrami nicht hinnehmen und bleibt seither einfach da.
Viele Freunde und Nachbarn haben sich längst solidarisiert und in Form von Unterschriften für eine Online-Petition und durch Teilnahme an einer Demo vor dem Bezirksrathaus Ehrenfeld (16. März) mobil gemacht.
Doch genau diese Demo unter dem Motto „Feuer und Flamme den Miethaien“, auf der Azad vor Ort prominente Unterstützung erfuhr, könnte juristisch nun ein Nachspiel haben.

Zumindest laut des Fraktionsvorsitzenden der Bezirksvertretung AfD Köln Ehrenfeld. „Angriff auf mich bei einer Demonstration vor meinem Büro vor unserer Sitzung der Bezirksvertreter“, verbreitete Felix Helleckes auf seinen Kanälen in den sozialen Netzwerken und stellte ein Video dazu.
Sein Handy – offenbar durch Handgreiflichkeiten von Teilnehmern der Demo beschädigt – sei kaputt. Er habe zwei Strafanträge wegen Nötigung und Sachbeschädigung gestellt, wolle auch zivilrechtlich vorgehen, sagte er in einem Clip.
Anfragen bei den Behörden zum Vorfall stehen aus.
Vorfall auf Demo verschärft Streit in Ehrenfeld
Kaum vorstellbar indes, dass der Vorfall ein Grund für den beliebten Kiosk-Mann ist das Feld zu räumen. Trotz Räumungsklage und Zwangsräumung, die angesichts der läge juristisch im Raume stehen.
Seine Supporter weiß er in jedem Falle treu hinter sich. „Der internationale Kiosk in der Leyendeckerstraße ist mehr als nur ein Kiosk: hier findest du alles, was du nicht suchst und alles, was du brauchst. Hier ist ein Ort der Begegnung entstanden, ein Stück gelebter Nachbar*innenschaft, ein Ort für Kultur und Politik: für Konzerte, Lesungen, ein Getränke am Feierabend oder eine angeregte Diskussion. Hier wird Rat gesucht, Unterstützung gegeben und Gemeinschaft erlebt“, schrieben sie.

Und weiter: „Ob bei Erfolgen oder in schwierigen Momenten – der Kiosk ist für viele Menschen immer da. Für Groß & Klein – mit Limo, Bier und BonBons“, heißt es von den Unterstützern, „Azad bringt hier Menschen zusammen, stärkt die direkten Nachbar*innen, schafft einen Ort für alle Menschen und macht diesen zu etwas Besonderem: Mit seiner Offenheit, Wärme und seinem Einsatz ist er weit mehr als ein Gewerbebetreiber! Er ist ein wichtiger Teil unserer Nachbar*innenschaft und mit der Zeit ein Freund geworden. (…)“
Ehrenfeld würde „nicht nur ein Geschäft verlieren, sondern einen lebendigen sozialen Mittelpunkt und einen wichtigen Kulturraum.
Das wollen wir nicht zulassen! Das wollen wir verhindern! Wir fordern: Erhaltet den internationalen Kiosk als Sozialraum, Kulturraum, Politikraum und als Ort der Nachbar*innenschaft!“