
Köln | Was geschieht nur gerade im Iran?
Die Weltöffentlichkeit kann nur spekulieren. Die Menschen sind auf den Straßen, doch wie viele Opfer die Proteste gegen das Regime in Wahrheit fordern, weiß niemand verbindlich, denn im Iran ist das Internet abgeschaltet und Telefonverbindungen sind unterbrochen worden.
Der Kölner Hamed U. wartet fassungslos auf Lebenszeichen von Verwandten, hat von 13 000 Toten erfahren und wendet sich mit einem schockierenden Bericht an koeln0221, den wir hier widergeben:
Als Kölner mit iranischen Wurzeln ist es mir ein zentrales Anliegen, dass die internationale Öffentlichkeit die Wahrheit über die aktuellen Ereignisse im Iran erfährt.

Während viele internationale Medien von weniger als 200 Todesopfern sprechen, liegt die tatsächliche Zahl nach übereinstimmenden Berichten aus dem Land selbst bei über 2.500 getöteten Menschen, überwiegend junge Frauen und Männer. Diese Zahlen können aufgrund der gezielten Informationsunterdrückung nur schwer verifiziert werden, doch zahlreiche Augenzeugenberichte und interne Quellen zeichnen ein deutlich dramatischeres Bild als das, welches derzeit international vermittelt wird.
Die Menschen gehen nicht aus ideologischen Gründen auf die Straße, sondern aus reiner Existenznot. Die Inflation hat ein Ausmaß erreicht, bei dem selbst grundlegende Lebensmittel wie Brot, Eier und Fleisch für große Teile der Bevölkerung nicht mehr bezahlbar sind. Auf friedliche Proteste reagiert das Regime mit brutaler Gewalt, der Einsatz von scharfer Munition gegen unbewaffnete Zivilisten ist dokumentiert und alltäglich geworden.

Besonders paradox ist die aktuelle gesellschaftliche Lage:
Selbst viele Menschen, die dem System und dem Mullah-Regime früher loyal gegenüberstanden, sprechen sich inzwischen offen für einen Regierungswechsel aus. Der innere Konsens über die Notwendigkeit eines politischen Neuanfangs war selten so breit wie heute.
Gleichzeitig bleibt die internationale Unterstützung weitgehend symbolisch. Öffentliche Solidaritätsbekundungen und politische Parolen stehen im Raum, doch konkrete Maßnahmen bleiben aus. Aussagen einflussreicher Persönlichkeiten, die den Menschen im Iran Unterstützung zusichern, haben Millionen motiviert, trotz Lebensgefahr auf die Straße zu gehen. Diese Hoffnungen wurden bislang jedoch nicht eingelöst.
So entsteht für viele Betroffene der Eindruck, dass die Situation im Iran von außen politisch instrumentalisiert wird – ohne tatsächlichen Schutz für die Zivilbevölkerung. Die Konsequenz tragen die Menschen vor Ort: Tausende unbewaffnete Demonstrierende verlieren ihr Leben.

Um diese Gewalt vor der Welt zu verbergen, hat die Regierung das Internet weitgehend lahmgelegt. Kommunikation, Bildmaterial und Zeugenaussagen werden systematisch unterdrückt, damit das Ausmaß der Geschehnisse international nur eingeschränkt wahrgenommen wird. Was derzeit im Iran geschieht, bleibt daher für viele unsichtbar – obwohl es sich um eine humanitäre Katastrophe handelt.
Schweigen, Verharmlosung und Untätigkeit kosten Menschenleben.
Was der Iran heute braucht, ist nicht nur Aufmerksamkeit, sondern konsequentes internationales Handeln, das den Schutz der Zivilbevölkerung in den Mittelpunkt stellt.