
Dormagen | Es ist ein Rosenkranz mit einem Foto von Mutter und Sohn. Auf einem Fußball, den er so sehr liebte.
Lilli M. bewältigt die Trauer durch Präsenz. Auf den Tag genau zwei Monate nach der schrecklichen Tat an einem Waldsee bei Dormagen, als ihr Sohn Yosef (†14) von einem Kind aus dem Leben gerissen wurde, ist sie ihm noch immer ganz nah und gießt die Blumen, wo er begraben liegt.
Dormagen: Familie hält in schwerer Zeit zusammen
„Lilli geht jeden Tag zu seinem Grab, wenn sie Mariam zur Schule gebracht hat“, sagt eine gute Freundin, die die Familie in der Trauer nicht alleine lässt und vor Ort begleitend mit Rat und Tat aufopferungsvoll unterstützt.
Was für eine tapfere Frau. Sie zieht nicht weg, sie schließt sich nicht ein und aus der Gemeinschaft der Nachbarn aus. Nein, Lilli bleibt im Leben und hält das Gedenken an ihren Jungen im Netz und vor Ort am Grabe aufrecht. Daher ist sie auch mit der Berichterstattung einverstanden.

Am Samstag (28. März), genau zwei Monate nach den entsetzlichen Geschehnissen, war es ein emotionaler Moment für sie und alle Beteiligten im intimen Zirkel der Familie. Mal wieder.
„Es waren alle sehr still und in sich gekehrt, jeder hat seine ganz eigenen Erinnerungen gehabt und versuchte es ein weiteres mal irgendwie zu begreifen, das er wirklich nie wieder zurück kommt“, so die Nachbarin, die beschreibt: „Man steht dann da und blickt stumm und leer auf das Grab und es bleibt unbegreiflich.

Was ich aber besonders berührend finde, ist, wie herzlich und liebevoll immer wieder alle miteinander umgehen und vor allem Lilli und Mariam und Kidist mit Henos versuchen Halt zu geben. Die Community steht nach wie vor jederzeit zusammen.“
Das sah man an der neulich von Mitschülern liebevoll initiierten Andacht in St. Michael und an der regen Teilnahme am Dialogabend in Horrem vergangene Woche.
Und das sieht man auch in den sozialen Netzwerken, wo die Macher der Instagram-Seite justife4yosef_dormagen nicht müde werden, das drohende Vergessenwerden Yosefs durch ihre Postings zu vereiteln.
„Uns ist wichtig, dass Yosef nicht vergessen wird“, sagt die Familie, und bittet, es solle sich niemand genervt abwenden, „heute war ein wichtiger Tag für uns alle.“