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EXKLUSIV „Stadt unter Schock!“: Die Rede für Yosef (†14) im Wortlaut

Dormagen | Viele hundert Teilnehmer waren da, die Lichterkette für den getöteten Yosef (†14) in Dormagen strahlte am Samstagabend über die Wege. Der im Ort beliebte Junge wurde heimgeleuchtet wie versprochen.

Denn mit einer bewegenden Gedenkaktion nahmen viele Dormager/innen Abschied vom so früh aus dem Leben gerissenen Realschüler, dessen Leiche Anfang vergangener Woche an einem Waldsee entdeckt worden war.

Initiatorin und Nachbarin Kerstin Ruhe wandte sich sichtlich bewegt mit einem Megaphon an die Anwesenden, darunter Yosefs Mama Lili und Bürgermeister Erik Lierenfeld, um stellvertretend Abschied zu nehmen.

Hier ihre beherzte Rede im Wortlaut:

Wir stehen heute hier, weil ein Junge viel zu früh aus dem Leben gerissen wurde.
Yosef durfte nur 14 Jahre alt werden.

Vor etwa acht Jahren kam er mit seiner Mama aus Eritrea nach Deutschland – auf der Flucht vor Unsicherheit, getragen von der Hoffnung auf eine sichere Zukunft. Eine Zukunft, die er sich Schritt für Schritt aufgebaut hat: zwischen Realschule, Hundeverein, Tambourcorps, Schützenverein und Fußballplatz.
Ein sozial engagierter junger Mensch, aktiv in vielen Vereinen, offen, freundlich, voller Lebensfreude.

Yosef war jemand, der Herzen berührt hat – leise, selbstverständlich, ohne großes Aufheben.
Jemand, bei dem man gern stehen blieb.
Jemand, von dem man wusste: Aus ihm wird einmal etwas ganz Grosses werden.

Ich habe mich jedes Jahr aufs Neue darüber gefreut zu sehen, wie wunderbar er sich gemeinsam mit seiner Mama und seiner kleinen Schwester hier integriert hat. Und ich war immer gespannt, welchen Weg er einmal gehen würde.

Nun ist er ein Engel geworden.

Aber wir hätten ihn wirklich noch sehr gern hier behalten.

Yosef wurde getötet. Gefunden an einem Ort, der eigentlich für Ruhe und Schönheit steht – am Waldsee, mitten in Dormagen.
Seitdem ist nichts mehr wie zuvor. Die Stadt steht unter Schock. Und ich auch.

Die Gedanken kreisen um ihn, um seine letzten Momente.
Und immer wieder um seine Mama, Lilli.

Ich selbst bin Mutter von zwei Kindern – und von drei Bonuskindern. Und trotzdem kann und will ich mir nicht vorstellen, welchen Schmerz Lilli nun ein Leben lang ertragen muss.

Sie war immer so stolz auf ihren Sohn. Und auch darauf, wie sehr wir hier in Delhoven ihren Yosef ins Herz geschlossen haben.

Ich selbst bin „nur“ eine Nachbarin.
Eine, an deren Haus er oft vorbeikam, auf dem Weg zur Bushaltestelle.
Ab und zu brachte ich Spenden ins Flüchtlingsheim – und er und seine Mama halfen mir dabei, alles gerecht zu verteilen.
Er grüßte mich immer mit einem strahlenden Lächeln, interessierte sich für meine Arbeit mit den vielen Hunden.
Und durch seine Zeit auf dem Hundeplatz verlor auch Lilli nach und nach etwas ihre Angst vor Hunden.

Nach dieser Tat bin ich eines Morgens mit dem Gedanken aufgewacht, etwas tun zu müssen.

Etwas, das Lilli zeigt, wie wichtig ihr Sohn für uns alle war.

Etwas, das ihr vielleicht ein kleines Stück Trost schenken kann in dieser unerträglichen Zeit.

So entstand die Idee, Yosef mit einer Lichterkette heimzuleuchten.

Ich habe diesen Gedanken im Internet, bei Facebook, geteilt – und war überwältigt davon, wie viele Menschen offenbar genau darauf gewartet haben: 

-auf eine Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen.

Ein Zeichen gegen Gewalt.

Ein Zeichen für Hoffnung.

Und auch ein Zeichen für Yosefs Mitschüler 

– als Ausdruck für das Unfassbare, das geschehen ist.
Damit sie sehen: 
-Diese Tat steht NICHT für unsere Gesellschaft. 

DENN Menschlichkeit ist größer.

Es sollte auch ein Signal sein – besonders für unsere Jugend:
IHR SEID NICHT ALLEIN auf unseren Straßen.

Dass aus dieser Idee so viel werden würde, war mir vorher nicht bewusst.

Ich war naiv und dachte, jeder könne einfach so kommen.

Dass es eine so große Planung braucht, lag außerhalb meiner Vorstellung.
Wenn dadurch Unruhe oder Durcheinander entstanden ist, tut mir das aufrichtig leid.

Umso dankbarer bin ich, dass unser Bürgermeister Erik Lierenfeld – nachdem klar war, dass die Familie einverstanden ist und Trost darin finden kann – sich mit seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Rathaus zu außergewöhnlichen Zeiten zusammengesetzt hat.
Dass Polizei, Ordnungsamt, Jugendamt und Feuerwehr eingebunden wurden.

Damit diese Lichterkette, dieser Trauermarsch, nun würdevoll, sicher und gemeinsam begleitet werden konnte.

Ich danke von ganzem Herzen für diesen Einsatz. 
Für die großartige Unterstützung.
Für das Ernstnehmen.

Meine größte Sorge gilt weiterhin Lilli.
Und Yosefs Seele.

Ich wollte ihm heimleuchten.
Falls ein Teil von ihm noch an diesem See verweilen würde, sollte er den Weg sehen – nach Hause. 

Zu seiner Mama.

Und ich wünschte mir, dass Yosef durch all diese Kerzen hindurchgehen und noch einmal jedes Licht sieht, jedes Herz spürt, das für ihn schlägt.

Seite an Seite mit uns – ein letztes Mal sichtbar.

Auch wenn er nun für immer unseren Augen entzogen ist:
Er lebt weiter.
In unseren Erinnerungen.
In unserer Dankbarkeit.
Und in unseren Herzen.

Liebe Lilli:
Dein Sohn war nicht allein. Er war geliebt. Und er wird es bleiben.

Und an uns alle, an diese Stadt:

Lasst uns wachsam bleiben. 

Menschlich. 

Und füreinander da – besonders für unsere Kinder!!!

Yosef war ein außergewöhnlicher Junge.
Und das wird er für immer bleiben.

-————
Vielen lieben Dank an euch ALLE, dass ihr alle gekommen seid und Yosef nach Hause gebracht habt.

Bitte geht jetzt vorsichtig wieder nach Hause.
Die Polizei und Feuerwehr bleiben für den Rückweg noch zum ausleuchten der Strecke für euch vor Ort.

Bitte lasst der Familie jetzt respektvoll ihre Privatsphäre.
Damit sie auf ihre Weise trauern können.

Danke

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