
Köln | Er gehört zu den Jung-Diamanten der GBS (German Boxing Series).
Der Kölner Gregor Soenius (26) hat am Wochenende (gegen Mike Hadley in der Strassenkicker Base) seinen achten Kampf am Stück gewonnen, schlägt mit weißer Weste im Ring um sich.
Der Schützling von Ex-Champ Rüdiger May, Kumpel von DSDS-Idol Pietro Lombardi, ist prinzipiell ein Ur-Kölner, wie man unschwer auf seiner rechten Brust sehen kann.
Das Interview mit dem Cruiser-Gewichtler über den Sport und die Stadt!
Gregor, deine Bilanz ist makellos. Wie kamst du zum Boxen?
GREGOR SOENIUS Als ich 13 Jahre alt war, habe ich mit einem Freund beschlossen, mit dem Boxen anzufangen, weil wir auf dem Schulhof lernen wollten, uns durchzusetzen. Der erste Eindruck war dann ein ganz anderer als erwartet: Statt stundenlang auf den Sandsack einzuprügeln, wurde sich erstmal ausgiebig gedehnt. Mein Kumpel ist nach dem Probetraining nicht mehr hingegangen, ich bin aber geblieben.
Köln-Boxer Gregor Soenius hat Mentor Rüdiger May
Als nächste kurzfristige Ziele möchte ich natürlich weitere Kämpfe bestreiten, neue Herausforderungen annehmen und daran wachsen. Mit jedem Kampf steigt man gefühlt ein Level höher auf. Manche Schritte, die man macht, sind kleiner, andere größer, aber in erster Linie möchte ich mich weiterentwickeln.
Ich denke, dass ich mit meinem Coach Rüdiger May und meinem Team aus Managern, Trainingspartnern, Sponsoren und sonstigen Unterstützern gut aufgestellt bin. Längerfristig jedoch will ich ganz oben angreifen. Mein Traum war es schon immer, auf den Rängen zu boxen, zu denen ich als Kind aufgesehen habe.

Was sind deine nächsten Ziele und dein großer Traum? Wie kam es zu dem Köln Tattoo und was bedeutet es dir?
Köln ist meine Heimatstadt. Ich bin hier nicht nur geboren und aufgewachsen, sondern habe hier auch alles erlebt, was mein heutiges Ich ausmacht. Wie bei so vielen Kölnern gehört die Stadt zur eigenen Identität. Das ist einfach etwas anderes, als wenn man in irgendeiner durchschnittlichen Stadt oder Gemeinde groß wird.
Köln ist dreckig und gemein, genauso wie es schön ist und immer für dich da ist. Das kann man niemandem erklären, der nicht von hier ist. Als ich mich dann entschieden habe, mich tätowieren zu lassen, war es das Erste – neben dem Kreuz für meinen Glauben –, was für immer auf meinem Körper verewigt werden sollte.

Ist Boxen in Deutschland tot oder underrated?
Ich habe nicht das Gefühl, dass Boxen in Deutschland tot ist. Eher, dass es tot war. In Deutschland, gerade in NRW und besonders in Köln, wurde schon immer viel geboxt. In letzter Zeit sprießen wieder neue, große Veranstaltungen aus dem Boden, bei denen Menschen daran arbeiten, den Boxsport in Deutschland wieder massentauglich zu machen.
Dafür bin ich sehr dankbar. Allen voran dem Team der German Boxing Series um Ruben und Roman Lammersdorf und Jens Kröger. Die Jungs machen einen 1A-Job, der in Deutschland seinesgleichen sucht.
Was würdest du dir in Köln für den Sport wünschen? Machen Influencer den Sport und seine Wertigkeit kaputt?
Das Influencer-Boxen gilt es zweischneidig zu betrachten. Wenn prominente Personen den Sport für sich entdecken, sportlich heranreifen und sich dann messen, finde ich, ist das eine gute Sache.
Wenn aber jeder beliebige Fernsehpromi ohne großes Können sich zur Schau stellt, glaube ich nicht, dass es dem Sport guttut.
Hast du noch einen Job neben dem Sport?
Ja, natürlich habe ich einen Job neben dem Sport. Leider kann man nur durch den Sport nicht leben. Mein Vater hat mir immer vorgelebt, tüchtig und motiviert zu arbeiten und sich stets Mühe zu geben. Mir ist es auch viel wert, arbeiten zu gehen – es ist definitiv ein Teil meines Selbstwerts.
Und so gehe ich schuften, 40 Stunden die Woche, als Heizungs-Kundendiensttechniker in einer Firma, in der ich mehr als zufrieden bin. Der Job fordert mich geistig wie auch körperlich, gibt mir aber dennoch genügend Raum, täglich und strukturiert meinem Training nachzugehen.