
Köln | „Wer überwindet, der gewinnt!“
Ein herrliches Mephisto-Zitat aus Goethes Faust. Doch wer schon einmal mit dem harten Thema Sucht konfrontiert war, weiß, dass das bei allem guten Willen leichter gesagt als getan ist. . .
Als koeln0221 durch die Südstadt spazierte, fiel auf, dass Richard Bargel (75) beim Café Trinken mit seiner reizenden Joelle diesmal – völlig unüblich – keine Kippe im Mundwinkel hatte.
Musiker-Größe schildert Kampf mit Teufel Nikotin
Der Grund: Der kölsche Blueskönig hat dem Qualmen nach jahrzehntelangem Verlustieren tatsächlich abgeschworen!
Doch fragen wir ihn selbst, wie es ihm auf seinem Weg damit geht und wie dies gelang. Das Interview.
Wie kam das Aufhören?
RICHARD BARGEL Anfang Oktober 2025 erwischte mich eine Erkältungsgrippe, die mich für mehrere Tage ans Bett fesselte. Normalerweise können selbst Schnupfen und Husten mich nicht vom Rauchen abhalten. Schließlich rauche ich seit meinem zwölften Lebensjahr.
75 Jahre bin ich jetzt alt, habe also 63 Jahre meinen Körper täglich in Nikotin getränkt und das härtet ab. Doch diesmal war alles anderes. Die ganze Raucherei und was mit ihr zusammenhing, ekelten mich auf einmal an. Zum ersten Mal wurde mir bewußt, was ich mir fast mein ganzes Leben lang angetan hatte. Körperliche Folgen waren bereits aufgetreten, darunter Atemnot (COPD) und Gefäßverengungen.
Ein großes Ärgernis auch die ständigen Preiserhöhungen, die Tabak zu einem Luxusgut werden lassen. Plötzlich hatte ich all dies satt: der Gestank in der Wohnung und den Klamotten, die verdreckten Aschenbecher, der veraschte Schreibtisch, die ständige Sorge um genügend Nachschub, die nikotingelben Finger und das Verbrennen von Geld.
In einer regelrechten Befreiungsaktion schmiss ich, von einer Sekunde auf die andere, die restlichen Tabak- und Zigarettenhülsen- Bestände in den Müll, Aschenbecher und Feuerzeuge flogen hinterher. Dann schnappte der Deckel des Mülleimers zu und das war’s. Seit sieben Monaten bin ich jetzt rauchfrei.
Nikotin-Stopp: Soviel sparte Richard Bargel bis jetzt
Wie geht es dir jetzt?
Der Entschluß mit dem Rauchen aufzuhören, hat mir gut getan.
Ich habe wieder „klare Sicht“ in der Wohnung, die Finger sind nicht mehr gelb, ich stinke nicht mehr und spare Geld, was sich bemerkbar macht. Ich fange an, mich körperlich auch wieder fitter zu fühlen.
Nach gut einem halben Jahr kommen nur noch selten Rauchgelüste aus den Tiefen meines Suchtgehirns an die Oberfläche. Bis jetzt bin ich standhaft geblieben und zuversichtlich, es auch zu bleiben. Ich habe bereits eine Alkoholkarriere hinter mir.
30 Jahre lang habe ich gesoffen, wie ein Loch. Dann hat mir eine Therapie geholfen, davon weg zukommen. Seit 26 Jahren bin ich also trockener Alkoholiker und bin in der ganzen Zeit nicht rückfällig geworden. Die Nikotinsucht werde ich also auch überwinden, das steht für mich fest.

War es schwerer als mit Alkohol aufzuhören ?
Ich habe länger geraucht, als gesoffen. Ganz subjektiv kam es mir vor, als sei es mir schwerer gefallen, dem Tabak Lebewohl zu sagen, als dem Alkohol. Ich habe ja nach 63 Jahren intensivsten Nikotinkonsums einen regelrechten „Kalten Entzug“ gemacht, das war hart, das war auch brutal meinem Körper gegenüber.
Natürlich hat er rebelliert und er hat erstaunlich lange rebelliert. Das ging über mehrere Wochen und ich kann nicht ausschließen, ob nicht immer noch kleine körperliche Beschwerden, die hin und wieder auftauchen, darauf zurück zu führen sind. Zu Anfang waren es massive Kreislaufprobleme, Schwindel, Gleichgewichtstörungen, eine Lunge, die nach Rauch und Nikotin gierte, Konzentrationsschwierigkeiten, Schlafstörungen.
Hinzu kam das Vermissen der Rituale, die mit dem Tabakgenuss einher gehen. Alles in Allem keine sehr schöne Zeit. Erst jetzt fange ich langsam an, mich in meiner von Nikotin entwöhnten Haut wieder wohl zu fühlen.
Wieviel Kosten hast du gespart?
Nach der letzten Preiserhöhung haben 30 Gramm Tabak ca. 6,50 € gekostet. Pro Tag habe ich mindestens 1 Päckchen verqualmt. Im Jahr, bei 365 Tagen, habe ich also 2.372,50 € verbrannt. Davon hätte ich schöne Urlaubsreisen machen können.
Wie hast du es geschafft, nicht zuzunehmen?
Wenn dem Körper ein Suchtmittel entzogen wird, sucht er sich natürlich Ersatz. Der kann in übermässigem Essen und Naschen von Süßigkeiten liegen. Zum Glück hat mein Körper so nicht reagiert und er verbrannte Kalorien schon immer sehr gut.
Mit Gewichtszunahme hatte ich also nie wirkliche Probleme und wenn, dann nur zur Weihnachtszeit. Der Winterspeck, den man sich anfrisst, baut sich spätestens im Frühjahr bei mir recht schnell wieder ab.