
Köln | Er war der Rekord-Bezirksbürgermeister in der Stadt. 36 Jahre lang (!) prägte Norbert Fuchs (77) das Gesicht der Lokalpolitik in Köln-Mülheim.
Amtsmüde ist die SPD-Größe seit ihrem Abschied im „Biergarten Zoch“ im September 2025 freilich nicht.
Denn speziell, wenn es um zwei aktuelle Themen vor Ort geht, schaltet sich Fuchs auf Nachfrage in die Debatte um „seinen Stadtteil“ gern ein.
Und spricht unbequeme Wahrheiten über das Veedel offen aus.
So las er überrascht in den sozialen Netzwerken vom Aus der „Wohnzimmerkonzerte“ in der hiesigen Stadthalle.
Norbert Fuchs klärt über Stadthalle und Mahnmal auf
Die Betreiber hatten die aus ihrer Sicht vorliegenden Gründe dafür geradezu leidenschaftlich öffentlich gemacht: „Wir bezahlen bei 100 bis 150 Gästen im intimen Rahmen am Ende einfach drauf und das können wir uns nicht mehr leisten. Wohlgemerkt bekommen wir keinen einzigen Cent Förderung, das möchten wir auch nicht, aber die Relationen passen nicht mehr.“
Es gehe vor allem um die Sanierungskosten. „Wir müssen unser Geld brutal zusammenhalten, wir müssen das Dach neu machen, eine Alarmierungsanlage einbauen, die Lüftung muss erneuert werden und an jeder Ecke passiert immer wieder etwas das Geld kostet. Die Stadt Köln hat jahrzehntelang versäumt die Stadthalle Mülheim und die Räumlichkeiten in Schuss zu halten, das lösen wir jetzt privatwirtschaftlich aus eigener Tasche. Was ein unfassbarer Irrsinn ist“, heißt es, „In den vergangenen 3 Jahren haben wir bereits knapp 750.000€ in diese Halle gesteckt.

Die Stadt Köln gibt jährlich 270 Mio Euro für Kultur aus. Da sind Sanierungs- und Baukosten nicht drin. Das meiste Geld geht an die Kölner Bühnen, das meist von einem eher ausgesuchten Klientel besucht wird. Diese Stadthalle hier hat die Lobby nicht, viele Gäste von der Schäl Sick, viele Karnevalsvereine, viele eher einfache Menschen, wenige Politikerinnen und Politiker. Obwohl wir genau so viele Besucher haben wie das Kölner Opernhaus werden wir als wesentlich unwichtiger erachtet und einfach Nullkommanull wahrgenommen.
Zum Vergleich: Der Tanzbrunnen, der quasi von der Stadt betrieben wird, hat sich mal eben für 14 Mio Euro neue Schirme und Beschallung gegönnt. Unser Dach aber macht bald nen Abgang und es interessiert keine Sau.“

Wirklich – oder ist dies nur die halbe, „taktische Wahrheit“. . .?
Denn Fuchs ist hierüber im Thema, irritiert und erklärt: „Seit 2006 liegt die Instandhaltungs- und Sanierungsverpflichtung für die Stadthalle Köln-Mülheim nicht mehr bei der Stadt Köln, sondern bei der Betreiber GmbH.
2006 wurde ein Erbaurechtsvertrag zwischen der Betreiber GmbH (Erbbaurechtsnehmerin) und der Stadt Köln (Erbbaurechtsgeberin) abgeschlossen. Danach liegen die Instandhaltungs- und Sanierungsverpflichtungen bei der Betreiber GmbH.
Im Gegenzug dazu wurde der Erbaurechtsnehmerin ein extrem niedriger Pachtzins für das Objekt gewährt.
Bei Abschluss des Erbaurechtsvertrages wurde gutachterlich ein Sanierungsbedarf in Höhe von rund 1,8 Mio. € festgestellt. Offensichtlich ist die noch heute bestehende Betreiber GmbH in den letzten 20 Jahren ihren Sanierungsverpflichtungen nur zögerlich nachgekommen, so dass es jetzt einen Sanierungsstau gibt, der abgearbeitet werden muss.“
Fuchs weiter: „Andere Event Locations wie Club Volta, Bootshaus, E-Werk, Palladium etc. werden auch nicht von der Stadt subventioniert und müssen ihr „Geld brutal zusammenhalten“ und für Instandhaltungs- und Sanierungsaufwendungen selbst aufkommen.
Das ist bei privatwirtschaftlich geführten Unternehmen wie der Stadthalle Mülheim so.
Dies alles dürfte der jetzigen Betreiberin der Mülheimer Stadthalle bekannt gewesen sein, als sie die Gesellschafteranteile an der GmbH im Rahmen eines „share deals“ im November 2022 ohne Kenntnis der Stadt Köln erworben hat. Wenn man sich schon auf einen Millionen Deal einlässt, sollte man sich vorher gründlichst schlau machen, was auf einen zukommt.“
„Diese Situation hätte vermieden werden können“
Bumms. Die Stadthalle indes ist das eine, das „Mahnmal“ an der unweit entfernten Keupstraße ein anderes, ebenso kompliziertes und leidiges Thema.
Dieses steht noch immer nicht, offenbar haben sich Tagediebe und Suchtkranke am einst ausgelobten Spot des Gedenkens inzwischen breitgemacht und verhohnepipeln die ursprüngliche Idee des Projekts.
Fuchs ist auch hierüber fassungslos, wie es nur so weit kommen konnte: „Die Umsetzung des Mahnmals scheitert an der Standortfrage. Da man auf dem Standort an der Ecke Keupstr./ Schanzenstr., der im Privateigentum ist, beharrt, ist man abhängig von Planungen des jetzigen Eigentümers des gesamten Grundstücks.
Der Investor hat zwar eine Baugenehmigung, aber ob und wann er baut, steht in den Sternen. Bisher hat er noch nicht mal mit den Abrissarbeiten der bestehenden Gebäude begonnen. In denen machen sich jetzt Obdachlose und Drogenabhängige breit.“
Fuchs, der selbst in entsprechenden Gremien einst saß und die Diskussionen an den Tischen erlebte: „Diese Situation hätte vermieden werden können, wenn sich die Initiativen flexibler in der Standortfrage gezeigt hätten. Der Voreigentümer des Geländes war ja bereit das Mahnmal unweit des favorisierten Standorts zu realisieren und in seine Planungen zu integrieren.
Eine Verlegung des Standorts um ca. 50-100 m wurde aber von den Initiativen und dem Künstler immer wieder abgelehnt. Mit der Folge, dass zu befürchten ist, dass das Mahnmal auch in absehbarer Zeit nicht realisiert wird. Vor dieser Situation habe ich als Bezirksbürgermeister immer gewarnt.“