
Köln | Er reagierte blitzschnell, ließ kein Chaos zu – und half den Angehörigen zusammen mit engagierten Helfern in der Trauerbewältigung.
Hinter Dormagens Bürgermeister Erik Lierenfeld (SPD) liegen nach der furchtbaren Gewalttat, durch die der 14-jähriger Realschüler Yosef von einem Kind (12) erstochen wurde, turbulente Wochen im Licht der Öffentlichkeit.
Mit etwas Abstand das Interview mit dem Oberhaupt einer „traumatisierten“ Stadt, in der Yosef noch immer Dauerthema ist – und wohl auch noch lange bleiben wird. . .
Herr Lierenfeld, Sie haben mit der Polizei gebeten, Spekulationen zu unterlassen. Wird dennoch weiterhin zu viel geredet?
LIERENFELD: Ja, es gibt leider weiterhin Menschen, die falsche Verdächtigungen aussprechen oder sich der üblen Nachrede bedienen. Das sind Straftaten, die auch polizeilich verfolgt werden. Mein Hinweis an alle: Lasst es sein!
Sie haben als langjähriger Bürgermeister viel erlebt. Welche Tragweite für die Stadt hat dieser Vorfall in Ihrer Amtszeit ?
Mir war sehr schnell bewusst, dass die Tragweite sehr groß sein wird. Der gewaltsame Tod eines Minderjährigen ist etwas, das uns unbegreiflich ist und nicht vorkommen darf. Deswegen sind alle Menschen so tief betroffen. Diese Tat wird sich in das kollektive Gedächtnis unserer Stadt einbrennen. Das wird nicht zu ändern sein.
Wenn Sie sehen was Social Media macht, Stichwort falsche Verdächtigungen, kommt da in Ihnen auch die Diskussion um ein Verbot für Jugendliche in den Fokus? Und verschärfte Strafen?
Ich glaube tatsächlich, dass es wichtig ist, dass wir in Zukunft Einschränkungen für Minderjährige im Social-Media-Bereich ernsthaft diskutieren und umsetzen müssen. Ich habe viele schlimme Videos in den Tagen nach der Tat gesehen, die mich schon schwer belasten. Da frage ich mich, wie Minderjährige damit umgehen sollen. Da müssen wir versuchen, unsere Kinder bestmöglich zu schützen!

Muss mehr in Mobbing-Präventionskampagnen investiert werden? Oder was sind mögliche Schlüsse aus dem Drama?
Für eine Bewertung ist es diesbezüglich aus meiner Sicht noch zu früh. Es gibt aus unserer Sicht allerdings keinerlei Hinweise auf Mobbing in diesem Fall.
Haben Sie so eine Anteilnahme-Welle ansatzweise erwartet?
Ja, weil es ein Ereignis ist, das für alle unvorstellbar ist und bleibt.