
Köln | Sie ist aus dem Leben, wie man in Köln sagt. Braucht kein vorbereitetes Script und keinen mechanischen Teleprompter. Sie redet sich das von der Seele, was sie denkt.
Und das ist bei Claudia Wecker vor dem Start in die heiße Phase der Karnevalssession starker Tobak.
Denn die beliebte Club-Chefin vom traditionellen Studentenlokal „Das Ding“ an der Zülpicher Straße legt immer wieder den Finger in die Wunden, wenn es um das Thema Sicherheit und Prävention beim jecken Feiern geht. Und aus ihrer Sicht die Versäumnisse der Verantwortlichen der Stadt Köln rund um Direktorin Andrea Blome.

Und gerade bei diesen Themen – Sicherheit und Prävention – wird der erfahrenen Gastronomin zuwenig von Seiten der Stadt Köln getan.
In einem fünfminütigen, öffentlichen Video wendet sich Wecker – vor der für Montag angekündigten Pressekonferenz der Stadt zu den Schutzmaßnahmen für die Südstadt – beherzt an die Community: „Das Thema nimmt Fahrt auf. Ich würde mir wünschen, dass die Verantwortlichen sich mal ehrlich machen und sagen: Wir sind teilweise daran schuld, dass die Zustände so sind, wie sie sind. Weil wir Warnungen in den Wind geschlagen haben und durch das irre Sperrkonzept einen Mangel erzeugen, der den Run auf die Zülpi immer größer macht.“

Sie versetzt sich in die Lage der Jugendlichen: „Als ihr so zwischen 13 und 17 wart, wie war das? Ihr freut euch das erste Mal rauszugehen und Karneval zu feiern und habt von der weltberühmten Zülpi gehört und dann beginnt das Hinterzäunen und da sind tausend Möglichkeiten, um an Alkohol zu kommen, egal welchen Alters du bist, weil vielen Kiosken der Jugendschutz total egal ist.“
Sie skizziert das für alle Eltern bedenkliche Szenario weiter: „Nachdem du dann das erste Mal in deinem Leben eine halbe Flasche Wodka im Kopf hast, lernst du ein nettes Mädchen kennen, die ist zwei drei Jahre älter, das ist ziemlich cool , aber das ist kein nettes Mädchen, das sich mit dir anfreunden will. Das ist ein Drogendealer. Es ist langweilig, und dann kommt der Gruppenzwang, und dann? Schluckst du zum ersten Mal in deinem Leben eine Pille, ziehst eine Nase? Ich frage mich, ob die Verantwortlichen jemals überlegt haben, wie sie in dem Alter in einer solchen Situation reagiert hätten.“

Es gehe nicht um „Ballermann-Sauftouristen“, sondern um die eigenen Kinder, die in Köln keinen Raum hätten, um „Verführungs-frei“ feiern zu können: „Wir müssen Minderjährigen die Chance geben, einen schönen Karneval zu feiern und so, dass sie weder mit hartem Alkohol noch Drogen in Kontakt kommen. Die Zülpicher ist Karneval ein Drogenparadies!“
Sie fragt zum Ende: „Wann versteht Ihr, dass wir Lösungen brauchen?!“ Elf Millionen für eine Bürgerbefragung zur Olympiabewerbung seien schließlich da – blanker Hohn mit Blick auf den Jugendschutz. . .